100 Jahre Brieftaubenverein „Erdachse“ in Pausa/Vogtland,
der Stadt am Mittelpunkt der Erde
Mit aktuell noch sechs eingeschriebenen Mitgliedern geht es diesem Verein mit unglaublicher Tradition und der Vereinsnummer 09537, RV Elstertal, wie so vielen in Deutschland: Kein Nachwuchs bei gleichzeitiger Überalterung der Mitglieder. Heutiger Altersdurchschnitt bei 70 Jahre. Ist somit das Ende des Brieftaubensports im kleinen, vogtländischen Städtchen schon abzusehen? Als Gast ihrer Festveranstaltung in Pausa durfte ich eins mit nach Hause nehmen: Die Erinnerung von unbeugsamen Optimismus der dortigen Mitglieder, ihre Leidenschaft für den Brieftaubensport. Dies war sehr beeindruckend. Und zugleich ganz großartig: Die erstaunlichen Resonanz wie Präsenz der Vereine vom kleinen Pausa, dem Bürgermeister, die Vorsitzenden vom Heimatverein und der Kleintierzüchter, den Mitgliedern der deutschlandweit bekannten „Erdachsendeckelscharnierschmiernippelkommision“, und vielen mehr. Weithin kündet der 1.3 Tonnen schwere, beleuchtete und drehende Globus auf dem Dach des Rathauses mit der Aufschrift „Pausa Mittelpunkt der Erde“. Zeigt optisch damit, wo man sich befindet.
Dass die Brieftaubenzüchter auf ihrem Mittelpunkt besonders Stolz sind, versteht sich von selbst. Die hundertjährige Vereinsgeschichte begann mit der obligatorischen Gründungsversammlung am 15.05.1910 mit fünf Personen. Der Eintrag erfolgte dann im November desselben Jahres ins Vereinsregister. Der Name: „Kriegspost Pausa“. Als Aufnahmegebühr wurde, auf historischen Dokumenten belegt, 10,- Mark festgesetzt, bei 0,50 Mark Monatsbeitrag. Eine Satzung wurde beschlossen und im Nachhinein den Mitgliedern ausgehändigt. So musste im § 17 festgelegt werden, dass im Kriegsfalle die Tauben dem Königlichen Kriegsministerium zur Verfügung gestellt werden. Hans Bachmann übernahm alle erforderlichen Leitungsfunktionen, bis mehr Mitglieder zum Verein gehören. Aus der Vereinskasse wurde ein Reisekorb angeschafft, mit dem Sonntags gemeinsame Trainingsflüge durchgeführt wurden. „Wer einen Flug nicht mitmachte, musste 0,25 Mark in die Vereinskasse zahlen“.
Genannter Hans Bachmann war derjenige, welcher die Zeichen der Zeit Jahre später für seine Geschäfte nutzte. In seiner Eisenhandlung fertigte er Zubehörartikel rund um die Brieftaube. Unter anderem Fußringe, Hülsen für die aufkommenden Konstatieruhren, wo er auch später für die Bachmann-Dynastie die Vertretung für den Vertrieb von Benzinguhren realisierte. Ein mitteldeutsches Brieftaubensporthaus wurde gegründet, später Taubenartikel Deutschlandweit vertrieben. Manch einer von der ältesten Züchtergeneration, auch im Westdeutschen Raum, dürfte deshalb Pausa keine Unbekannte sein. All das konnte in einer kleinen aber feinen Ausstellung mit vielen zeitgenössischen Dokumenten über die Entwicklung des einheimischen Brieftaubenvereins im „Pausaer Heimateck“ begutachtet werden. Die mit viel Fleiß zusammen getragenen Objekte, mit dabei einmalige Zeitdokumente aus den frühen Jahren des Vereins, waren eine echte Werbung für den Brieftaubensport! Hier erfuhr auch der Brieftauben-Laie viel über dem Gastgeberverein und dem Flugsport schlechthin.
Noch stemmen sich die „Erdachs-Männer“ aus Pausa mit ihrem Vorsitzenden Rolf Perthel, mit 69 Jahren einer der Jüngsten im Verein, erfolgreich gegen den Abwärtstrend. Da aber die Hoffnung bekanntlich zu letzt stirbt, bleibt eins unbedingt nach dem Vereinsjubiläum: Den offensichtlichen Schwung der tollen Feierlichkeiten mit in die nächsten Monate und Jahre nehmen. Dann übersteht der Brieftaubenverein in Pausa die momentane kritische Situation sicher mit Erfolg. Und den wünsche den Sportfreunden „im Erdmittelpunkt (des Vogtlandes)“ von ganzen Herzen! L.Barth












